Bastian Huhn

Untersuchung zu medizinpsychologischen Aspekten bei arbeitslosen Patienten

Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Medizin (Dr. med.) vorgelegt an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
verteidigt am 23.01.2002

Abstract
Diese Untersuchung beschäftigt sich mit dem unterschiedlichen Krankheitsbewältigungsverhalten von arbeitslosen und berufstätigen Patienten und mit der Effektivität ihrer Verarbeitungsmuster. Als Effektivitätskriterien werden die Folgen von Bewältigung für drei Bereiche diskutiert: das subjektive Wohlbefinden, die somatische Gesundheit und die soziale Funktionstüchtigkeit. Veränderungen in den drei beschriebenen Bereichen werden durch geeignete Instrumente sichtbar gemacht und die bevorzugten Krankheitsbewältigungsstile in diesem Zusammenhang bewertet.
Die Daten wurden mit standardisierten Selbstbeantwortungsfragebögen und dem Streß-Entspannungs-Test, erhoben und unter Zuhilfenahme statistischer Testmethoden ausgewertet. An der Untersuchung nahmen 219 Patienten einer allgemeinmedizinischen Arztpraxis in Halle/S. teil.
Es konnte gezeigt werden, daß die arbeitslosen Patienten signifikant schlechtere Werte in ihren Selbstkonzepten aufwiesen als die berufstätigen Patienten. Die Ergebnisse weisen darauf hin, daß Arbeitslosigkeit zu einer Schwächung der Ich-Stärke und einer Verschlechterung des Selbstbildes bei Arbeitslosen führt. Bei den arbeitslosen Patienten fanden sich Hinweise auf eine Reduktion der sozialen Beziehungen und Anzeichen einer qualitativen Veränderung im Kontaktverhalten. Es stellte sich heraus, daß die Anzahl der Raucher unter den Patienten ohne Arbeit fast dreimal so hoch war wie unter den Patienten mit Arbeit. Beim Streß-Entspannungs-Test waren arbeitslose Patienten deutlich schlechter in der Lage, mit dem angebotenem Stressor umzugehen als berufstätige Patienten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, daß Patienten ohne Arbeit eine erhöhte emotionale Belastung aufweisen, die mit einer schlechteren Fähigkeit zur Entspannung einhergeht.
Die statistische Auswertung der Krankheitsbewältigungsskalen ergab, daß arbeitslose Patienten sich signifikant durch stärkere Gefühlskontrolle und vermehrten Rückzug aus sozialen Beziehungen auszeichneten. Auf Grund theoretischer Annahmen muß diese Strategie der Krankheitsverarbeitung als dysfunktional eingestuft werden. Es wurde gezeigt, daß die Arbeitslosigkeit auf die Selbstkonzepte, das soziale Kontaktverhalten, die finanziellen Mittel, das Gesundheitsverhalten (Rauchen) und den Umgang mit Streß einen negativen Einfluß ausübt und somit wichtige Ressourcen, die zur Bewältigung der Krankheit benötigt werden, verbraucht. Über die genannten Faktoren wirkt die Arbeitslosigkeit auf die Krankheitsbewältigung ein und führte bei den arbeitslosen Patienten zu einer uneffektiveren Verarbeitung ihrer Krankheit.

This study deals with the difference in illness behaviour between employed and unemployed patients and the effectiveness of their coping. The criteria for measuring the effectiveness are based on the consequences of coping. These are discussed within the framework of three areas: subjective well-being, physical health and a well-integrated social function. Changes in the three described areas are indicated using appropriate instruments and the preferred means of dealing with an illness is evaluated within this context.
The data was collected from standardised questionnaires, which were filled out by the patients themselves, and a stress-relaxation test. These were analysed using statistical test methods. 219 patients attached to a general practice in Halle/S. took part in the study.
It was shown that the unemployed patients had significantly worse results with regard to their self-concept than those patients in employment. These results indicate that unemployment leads to a decline in inner strength and a deterioration in the way in which an unemployed person perceives himself. The unemployed patients showed evidence of a reduction in social contact and an indication of a qualitative change in contact behaviour. It was shown that the number of smokers among the unemployed patients is almost three times that of employed patients. The stress-relaxation test showed that unemployed patients are not as capable of dealing with stress-factors as employed patients are. The results indicate that patients without work show a higher emotional strain, which is associated to the reduced ability to relax.
The statistical analysis of the scale for illness coping showed that unemployed patients are significantly distinguished by a stronger control over their emotions and an increased withdrawal from social contact. On the basis of theoretical assumptions, the strategy for illness coping must be regarded as being dysfunctional. It was shown that unemployment has a negative impact on self-concept, social contact behaviour, financial resources, health behaviour (smoking) and dealing with stress. This means that important resources required for coping with an illness are not available. Unemployment affects illness coping by means of the factors mentioned above and leads to an ineffective illness coping on the part of unemployed patients.

Keywords:
Arbeitslosigkeit, Gesundheit, Bewältigungsverhalten, Krankheitsbewältigungsverhalten, Soziales Netzwerk, Psychische Gesundheit, Stressreaktionen, Einkommen, Live Event- Forschung, Effektives Coping

unemployment, health, coping behaviour, illness behaviour, social support networks, mental health, stress reaction, income, live change events, effective coping

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Inhaltsverzeichnis
Referat, Inhaltsverzeichnis, Verzeichnis der Abbildungen, Tabellen und Abkürzungen
1. Einleitung (1-3)
2. Theoretische Grundlagen und Zielstellung (4-16)
3. Material und Methodik (17-27)
4. Ergebnisse (28-38)
5. Diskussion der Ergebnisse (38-61)
6. Zusammenfassung (61-66)
7. Literaturverzeichnis (67-75)
8. Anhang (76)
9. Thesen zur Dissertation (77-80)