Thorsten Heese

"... ein eigenes Local für Kunst und Alterthum" - Die Institutionalisierung des Sammelns am Beispiel der Osnabrücker Museumsgeschichte

Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doctor philosophiae (Dr. phil.) vorgelegt an der Philosophischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
verteidigt am 04.07.2002

Abstract
Das Museum gehört zu den klassischen bürgerlichen Einrichtungen des 19. Jahrhunderts. Abseits der dominierenden ideengeschichtlichen Erklärungsmodelle bietet die Arbeit einen neuen sozial- und mentalitätsgeschichtlichen Zugang zur Deutung dieses Phänomens. Ausgehend von einem mikrohistorischen Umfeld, der Genese der Osnabrücker Museumslandschaft, werden neue Erkenntnisse über die allgemeine Bürgertums- und Museumsgeschichte des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts gewonnen. Dabei wird unter anderem sichtbar, daß die deutschen Museen in den Zentren mit denjenigen an der Peripherie viel deutlicher in Wechselwirkung zueinander standen bzw. stehen und sich gegenseitig weit stärker beeinflußten, als dies bislang wahrgenommen worden ist.
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht eine Anthropologie des Sammelns, auf deren Grundlage der Zusammenhang zwischen der Institution Museum und der Ausprägung bürgerlicher Identität veranschaulicht wird. Indem die Musealisierungs- und Professionalisierungphase des untersuchten Zeitraums als Prozeß der Institutionalisierung des Sammelns beschrieben wird, zeigt sich, daß das Museum als Ort musealer Vergesellschaftung fungierte und damit zur Überwindung gesellschaftlicher Binnengrenzen beitrug. Zudem wird deutlich, daß durch die starke individuelle Prägung von Museumssammlungen im Kontext der Verstetigung von Lebensgeschichte(n) Museen stärker als "Museumsindividuen" zu begreifen sind.

The museum is one of the classical 19th century bourgeois institutions. This study offers an explanation of the phenomenon in terms of historical changes in society as well as in mentality, aside from interpretation concepts analyzing the idea of museum, which still dominate. On the basis of the genesis of the museums in Osnabrück as the micro-historical environment, the study takes a closer look at the general history of both bourgeoisie and museum. In particular, it can be shown that, instead of an one-way influence from centre to periphery, the mutual interaction was and is far more distinct than has been recognized up to now.
The analysis focuses on an anthropology of collecting, thereby clarifying the relation between the museum as an institution and the development of bourgeois identity. By showing the musealization and professionalization at that period to be a process of institutionalization of collecting, it becomes visible that the museum functioned as a space of museal socialization ("Museale Vergesellschaftung"), in which social borders could also be overcome. Furthermore, it illustrates that museums must be understood far more as "museum individuals", considering the strong individual shaping of museum collections, which originate in the perpetuation of life biographies.

Keywords:
Bürgerliches Museum, Anthropologie des Sammelns, Verewigung, Institutionalisierung des Sammelns, Musealisierung, Professionalisierung, Museale Vergesellschaftung, Museumsarchitektur, Vereinswesen, Mentalitätsgeschichte

bourgeois museum, anthropology of collecting, immortalization, institutionalization of collecting, musealization, professionalization, museal socialization ("Museale Vergesellschaftung"), museum architecture, history of clubs and associations, history of mentality ("Mentalitätsgeschichte")

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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis, Abkürzungsverzeichnis (i-vi)
1 Einleitung (1-11)
2 Sammeln und musealisieren (12-35)
3 Osnabrücker Museumsgeschichte (36-268)
4 Das Osnabrücker Museum als Produkt einer bürgerlichen Welt (269-504)
5 Sammlung - Musealisierung - Verewigung. Ein Vergleich (505-525)
6 Ergebnisse (526-560)
7 Quellen- und Literaturverzeichnis (561-586)
Anhänge (A-1 - A-80)