Anne Bartsch und Susanne Hübner

Emotionale Kommunikation - ein integratives Modell

Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doctor philosophiae (Dr. phil.) vorgelegt an der Philosophischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg als Teil einer Gruppenpromotion
verteidigt am 15.12.2004

Abstract
Wenn Menschen kommunizieren, tauschen sie nicht nur Gedanken aus, sondern auch Gefühle. Wir werden unwillkürlich von den Stimmungen und Gefühlen Anderer "angesteckt". Wir nehmen aktiven Anteil an den Gefühlen Anderer, indem wir versuchen, ihre Sicht auf die emotionsauslösende Situation zu verstehen und bei der Bewältigung der Situation zu helfen. Wir suchen gemeinsam nach dem tieferen Sinn von Emotionen, indem wir Geschichten über sie erzählen, ihre moralische Berechtigung diskutieren und soziale Kompromisse aushandeln. Das Konzept der emotionalen Kommunikation, das im Rahmen der Dissertation entwickelt wird, schließt das gesamte Spektrum emotionaler Kommunikationsphänomene ein - von der unwillkürlichen Stimmungsbeeinflussung über die bewusste Einfühlung bis hin zur symbolischen Sinnkonstruktion. Ziel der Arbeit ist es, ein Modell zu bilden, das dieser Vielschichtigkeit emotionaler Kommunikation gerecht wird und systematische Zusammenhänge zwischen den einzelnen Aspekten herstellt. Teil I beschäftigt sich mit emotionstheoretischen Grundlagen. Es werden vier Arbeitsdefinitionen für das Konzept der emotionalen Kommunikation entwickelt, die auf verschiedenen Emotionstheorien beruhen. In Teil II wird ein integrativer Ansatz entwickelt, der die einzelnen Arbeitsdefinitionen im Rahmen eines Bottom-up-top-down Modells emotionaler Kommunikation verbindet. Das Modell beschreibt emotionale Kommunikation auf drei Ebenen - angeborene Reiz-Reaktions-Muster, assoziative Schemata und symbolische Bedeutungen. Anhand von Forschungsergebnissen aus dem Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation werden für jede Modellebene Erfolgskriterien emotionaler Kommunikation herausgearbeitet. Teil III ordnet das Modell der emotionalen Kommunikation im Kontext der allgemeinen Kommunikations- und Medientheorie ein. Für jede Modellebene werden Zusammenhänge mit Ansätzen der allgemeinen Kommunikationstheorie diskutiert und Bezüge zur Medienwirkungsforschung aufgezeigt.

When people communicate they not only exchange thoughts but also feelings. We involuntarily ‘catch’ the moods and feelings of others. We take an active part in the feelings and emotions of others when we try to understand someone's perspective on an emotion eliciting situation and then try to help them cope with the situation. We try to find the deeper meaning of emotions, often socially, we tell stories about them, discuss their moral justification or negotiate social compromises. The concept of emotional communication developed in this dissertation includes the whole spectrum of emotional communication phenomena - from involuntary mood contagion, through concious empathy and on to symbolic meaning constructs. The aim of the work is to create a model which embraces the complexity of emotional communication and establishes systematic connections between the individual elements. Part I is concerned with basic assumptions of emotion theory. Four working definitions for the concept of emotional communication are presented that are based on different theories of emotion. In Part II an integrative approach is developed, which links the individual working definitions in the frame of a bottom-up-top-down model of emotional communication. The model describes emotional communication on three levels - innate stimulus-response-patterns, associative schemata and symbolic meaning. On the basis of research findings from the field of interpersonal communication, criteria for successful emotional communication are worked out for each level of the model. Part III puts the model of emotional communication in the context of general communication and media theories. Links to the approaches of general communication theories are discussed at every level of the model and connections with media effects research are charted.

Keywords:
Emotionale Kommunikation, Medien, Emotionen, Gefühlsansteckung, Empathie, soziales Aushandeln von Emotionen

Emotional communication, media, emotions, mood contagion, empathy, social negotiation of emotion

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Inhaltsverzeichnis
Titelblatt, Inhaltsverzeichnis (1, 3-5)
Einleitung (6-11)
Teil I Vier Definitionsansätze für emotionale Kommunikation
1. Vorüberlegungen (12-17)
2. Neurologische Emotionstheorien (18-41)
3. Bewertungstheorien (42-61)
4. Der Prototypenansatz (62-81)
5. Sozialkonstruktivistische Emotionstheorien (82-103)
Teil II Ein Bottom-up-top-down-Modell emotionaler Kommunikation
6. Ein integratives Rahmenmodell (104-122)
7. Der neurologisch orientierte Definitionsansatz (123-140)
8. Der prototypenorientierte Definitionsansatz (141-165)
9. Der sozialkonstruktivistisch orientierte Definitionsansatz (166-194)
10. Der bewertungsorientierte Definitionsansatz (195-225)
Teil III Schnittstellen des Modells zur allgemeinen Kommunikations- und Medientheorie
11. Vorüberlegungen (226-231)
12. Angeborene Grundlagen der Kommunikation (232-252)
13. Intentionale Kommunikation (253-276)
14. Kommunikation als symbolische Sinnkonstruktion (277-302)
15. Fazit (zu Teil I-III) (303-310)
Literaturverzeichnis (311-377)