Jeremias Hey

Klinische Untersuchungen der Speicheldrüsenfunktion nach kurativer Strahlentherapie von Kopf-Hals-Tumoren: Ein Vergleich der Wirkungen von Radiochemotherapie gegenüber alleiniger Radiotherapie

Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Zahnmedizin (Dr. med. dent.) vorgelegt der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
verteidigt am 03.12.2008

Abstract
Einleitung: Eine Radiotherapie im Kopf-Hals-Bereich verursacht Ungleichgewichte und Störungen im Tumor wie auch im Normalgewebe. Ob diese Störungen zu einer höheren Schadenswahrscheinlichkeit der Parotiden führen, wurde bisher nicht systematisch untersucht.
Zielstellung: Gegenstand der vorliegenden Untersuchung war es, den Funktionsverlust der Parotis durch eine cisplatinhaltige simultane Radiochemotherapie gegenüber einer alleinigen Radiotherapie zu untersuchen.
Material und Methoden: In die Untersuchung eingeschlossen wurden 97 Patienten mit tumortherapeutischer Kopf-Hals-Bestrahlung. Gemessen wurden die Speichelfließraten und der Speichel-pH-Wert vor, während und bis zu 6 Monaten nach Radiotherapie von 36 Probanden mit simultaner Chemotherapie (RCXT-Gruppe) und von 61 Probanden mit alleiniger Radiotherapie (RT-Gruppe). Errechnet wurden die Schadenswahrscheinlichkeiten der Parotiden unter Beachtung der Dosis-Wirkungsbeziehung.
Ergebnisse: Die Speichelfließraten fielen kontinuierlich unter R(CX)T ab. Vier Wochen und 6 Monate nach Therapie konnte eine TD50 nach RCXT von 32,2 Gy (39,7 - 26,7 Gy im 95% KI) und 32,1 Gy (40,6 - 25,9 Gy im 95% KI) und nach RT von 41,1Gy (46,3 - 36,8 Gy 95% KI) und 39,6 Gy (44,5 - 35,6 Gy im 95% KI) ermittelt werden. Die TD50 war zum Zeitpunkt 4 Wochen nach Therapie in der RCXT-Gruppe um 8,9 Gy im Vergleich zur RT-Gruppe reduziert. Vier Wochen nach Abschluss der Therapie lag für Patienten mit RCXT ein Mittelwert für mTD50 von 0,53 (0,34 - 1 Konfidenzgrenze) und mit RT von 0,36 (0,25 - 0,63 Konfidenzgrenze) vor. Jedoch bestand zu keinem der Untersuchungszeitpunkte ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen.
Schlussfolgerungen: Der Einsatz einer Radiochemotherapie zur Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren verursacht im Vergleich zur alleinigen Radiotherapie mehr Schäden an den Parotiden. Die neuen NTCP-Kurven müssen zukünftig in der physikalischen Bestrahlungs-planung Berücksichtigung finden. Der Einsatz moderner 3D-Techniken, wie z.B. der IMRT wird dadurch unverzichtbar, da nur sie diese deutlichen Dosisverminderungen an den Parotiden erreichen können.

Purpose: To determine the influence of concomitant radiochemotherapy with cisplatin on parotid gland tissue complication probability.
Methods and Materials: Patients treated either with radiotherapy (n = 61) or concomitant radiochemotherapy with cisplatin (n = 36) for head and neck cancer were prospectively evaluated. The dose and volume distributions of the parotid glands were noted in dose-volume-histograms. Stimulated salivary flow rates were measured before, during the 2nd and 6th week and at 4 weeks and 6 months after the treatment. The data were fit using the normal tissue complication probability (NTCP) model of Lyman. Complication was defined as a reduction of the salivary flow rate to < 25% of the pre-treatment flow rate.
Results: The NTCP-model parameter TD50 (the dose leading to a complication probability of 50%) was found to be 32.2 Gy at 4 weeks and 32.1 Gy at 6 months for concomitant radiochemotherapy and 41.1 Gy at 4 weeks and 39.6 Gy at 6 months for radiotherapy. The tolerated dose for concomitant radiochemotherapy was at least 7 - 8 Gy lower than for radiotherapy alone at TD50.
Conclusion: In this study the concomitant radiochemotherapy tends to cause a higher probability of parotid gland tissue damage. Advanced radiotherapy planning approaches such as IMRT may be partiticularly important for parotid sparing in radiochemotherapy due to cisplatin-related increased radiosensitivity of glands.

Keywords:
Chemotherapie, Kopf-Halstumoren, Radiotherapie, Speichel, NTCP

Chemotherapy, head and neck, radiation, saliva, NTCP

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Inhaltsverzeichnis
Titelblatt, Referat, Inhaltsverzeichnis, Abkürzungsverzeichnis
1 Einleitung (1-13)
2 Patienten und Methoden (14-24)
3 Ergebnisse (25-35)
4 Discussion (36-52)
5 Zusammenfassung (53-54)
6 Literaturverzeichnis (55-61)
7 Thesen (62-63)