Sabine Meinel

Karl Völker - Leben und Werk

Dissertation zur Erlangung des akademischen Doctor philosophiae (Dr. phil.) vorgelegt an der Philosophischen Fakultät I der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
verteidigt am 17.07.2008

Abstract
Mit der Dissertation wird die erste komplexe Darstellung zu Leben und Werk des halleschen Künstlers und Architekten Karl Völker (1889-1962) vorgelegt. Das Oeuvre umfasst nicht nur Bilder, Zeichnungen und Grafiken, sondern auch Raumausmalungen in Profanbauten und Kirchen, restauratorische Arbeiten, Farbfassungen an Gebäuden, Entwürfe für Glasmalereien und zahlreiche Werke der Architektur. Im Kaiserreich geboren, erlebte Karl Völker zwei Weltkriege, die Novemberrevolution, die Weimarer Republik, die Zeit des Nationalsozialismus, die Sowjetische Besatzungszone und die Deutsche Demokratische Republik und damit wiederholt dramatische gesellschaftliche Umbrüche. Zwischen den frühen expressionistischen Werken und dem Spätwerk der farbigen Kreidegrundzeichnungen steht ein stilistisch und thematisch spannungs- und abwechslungsreiches Oeuvre.
Stilistisch weisen Begriffe wie Stilkunst, Expressionismus, Konstruktivismus und Neue Sachlichkeit auf die Vielschichtigkeit und die Einflüsse hin. Da Völker von der Malerei und Grafik allein nicht leben konnte, blieb der Künstler auf andere Arbeiten angewiesen. Er unterhielt mit dem Bruder Kurt eine gemeinsame Werkstatt für Kunst und Kunstgewerbe. Zahlreiche Farbgestaltungen profaner und kirchlicher Räume gehen auf diese Arbeitsgemeinschaft zurück. Daneben schuf er Wandbilder für unterschiedliche Auftraggeber.
Für Bruno Taut, Otto Haesler und Wilhelm Jost übernahm Völker Aufträge für Farbfassungen von Gebäuden in Magdeburg, Celle und Halle. Von 1928 bis 1932 arbeitete er in Celle im Büro des Architekten Otto Haesler, vorrangig auf dem Gebiet des Siedlungsbaus.
In der Zeit des Nationalsozialismus war Völker vorrangig mit Ausmalungen und der Restaurierung in Kirchen in der Provinz tätig. In der 1937 erschienenen Schmähschrift Wolfgang Willrichs "Säuberung des Kunsttempels" wurde er namentlich erwähnt und eine seiner Arbeiten abgebildet. Eines seiner "Industriebilder" war auf der Ausstellung "Entartete Kunst" zu sehen. Nach dem II. Weltkrieg traf ihn schon 1949 der Formalismusvorwurf. In den Folgejahren sicherten wiederum Arbeiten in Kirchen seinen Lebensunterhalt.

The dissertation submitted represents the first complex portrayal of the life and works of Halle artist and architect Karl Völker (1889-1962). His life’s work not only comprises paintings, drawings and prints but also colour schemes and murals in secular buildings and churches, restoration work, colour schemes for facades, studies for stained glass windows as well as numerous architectural designs. Born under the reign of the last German emperor Karl Völker subsequently went through dramatic social upheavals marked by two world wars, the November revolution following the First World War, the Weimar republic, the Nazi period, the time of Soviet occupation and the German Democratic Republic. Beginning with his early expressionist paintings and ending with his late drawings on colour grounding Völkers work must be rated as stylistically and thematically unusually exciting and varied.
The complexity of his work and the influences recognizable in it are illustrated by expressions like Stilkunst (art related to a historic stile), expressionism, constuctivism and Neue Sachlichkeit (new objectivity). Not being able to live exclusively from painting and graphic arts Völker also depended on other work. Together with his brother Kurt he ran a studio for art and applied art resulting in numerous colour schemes for secular and church interiors. At the same time he worked on murals for varying clients.
By architects as Bruno Taut, Otto Haesler and Wilhelm Jost he was commissioned to design colour schemes for buildings in Magdeburg, Celle and Halle. From 1928 till 1932 he worked in Celle in the office of architect Otto Haesler and mainly dealing with housing estates.
During the Nazi period he was primarily working on murals and doing restoration work for churches located in the provinces. In Wolfgang Willrichs diatribe "Säuberung des Kunsttempels" (purge of the art temple), published in 1937, Völker was mentioned by name and one of his works even pictured. One of his "Industriebilder" (painting showing industrial and related buildings) was shown in the Entartete Kunst (degenerate art) exhibition. After the second world war and as early as 1949 he was accused of formalism. In the following years he once again earned his living working in churches.

Keywords:
Karl Völker - Maler, Architekt, Stilkunst, Expressioismus, Konstruktivismus, Neue Sachlichkeit, Bruno Taut, Otto Haesler, Entartete Kunst, Formalismus

Karl Völker - artist, architect, historic stile, expressionism, constructivism, new objectivity, Bruno Taut, Otto Haesler, degenerate art, formalism

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Band 1:
Textteil (2.614 KB) mit integrierter Gliederung und Band 2: Abbildungsteil (21.494 KB).

Inhaltsverzeichnis: Textteil
Titelblatt, Vorwort, Inhaltsverzeichnis, Abkürzungs- und Schriftungsverzeichnis (I-XXX)
1 Einleitung (1-7)
Erster Teil: Kaiserreich und I. Weltkrieg (1889 - 1918) (8-29)
Zweiter Teil: Novemberrevolution und Weimarer Republik (1918 - 1928) (30-146)
Dritter Teil: Ende der Weimarer Republik und Nationalsozialismus (1929 - 1945) (147-198)
Vierter Teil: Sozialismus und Formalismuskampagne (1945 - 1962) (199-246)
Zusammenfassende Betrachtung (247-249)
Anhang (250-271)