Jan Hendrik Bartels

Paratumorale Epidermishyperplasie bei malignen Melanomen der Haut - ein neuer primärer Prognosefaktor

Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Medizin (Dr. med.) vorgelegt der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
verteidigt am 04.11.2008

Abstract
Hintergrund: Für das maligne Melanom (MM) sind verschiedene klinische und histologische Prognosefaktoren bekannt. Im Gegensatz zu dünnen MM besteht jedoch ein Mangel an Prädiktoren des Verlaufs bei MM mit größerer Eindringtiefe (T3/T4). In einer vorhergehenden Pilotstudie wurde gezeigt, dass die paratumorale Epidermishyperplasie (PTEH) diese Lücke schließen könnte. PTEH ist definiert als eine Hyperplasie von Epidermiszellen im Randbereich des Tumors.
Zielstellung: Mit der vorliegenden Studie sollte untersucht werden, ob die PTEH ein relevanter Prognosefaktor bei malignen Melanomen ist.
Material und Methoden: Eingeschlossen wurden alle primären malignen Melanome der Haut, die zwischen 1980 und 1991 in der Klinik für Dermatologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg operiert wurden und von denen noch histologisches Material zugänglich war (n=513). Die Nachsorgedaten wurden prospektiv erfasst. Die Messung der PTEH erfolgte in Millimetern an HE gefärbten Schnittpräparaten.
Ergebnisse: Das Merkmal PTEH konnte in 115/513 Fällen nachgewiesen werden. PTEH wurde vorwiegend bei dicken Melanomen festgestellt (75/157, 47.8% in T3/T4 MM im Gegensatz zu 40/356, 11.2% in T1/T2 MM). In der Gruppe der T3/T4 MM ist eine PTEH ≥ 1.0 mm offenbar ein unabhängiger positiver Prognosefaktor für das Gesamtüberleben und das rezidivfreie Überleben in der multivariaten Cox-Regressionsanalyse (OR=4.4, 95%CI=1.72-11.4, p=0.002 bzw. OR=2.7, 95%CI=1.2-5.8, p=0.015). Eine PTEH ≥ 1.0 mm hat sich, verglichen mit den bekannten Standardprognosekriterien, als stärkster Prognosefaktor für maligne Melanome mit einer Tumordicke von > 3.0 mm erwiesen.
Schlussfolgerung: Eine PTEH ≥ 1.0 mm geht mit einer deutlichen Verbesserung der Prognose von MM einher. Sie ist ein wichtiger und unabhängiger Prognosefaktor für MM mit hoher Eindringtiefe (T3/T4). Die Bestimmung der PTEH ist einfach. Als Standardprognosekriterium bei MM ist die Methode prinzipiell geeignet.

Background: Several clinical and histological prognostic factors are established in malignant melanoma (MM). In contrast to the situation in thinner MM, there is a lack of predictors in MM with higher tumour thickness (T3/T4). A pilot study previously showed that paratumoural epidermal hyperplasia (PTEH) might close this gap. PTEH is defined as paratumoural collaret-like proliferation of the epidermis.
Objective: The objective of this study was to investigate whether PTEH is a prognostic factor in MM.
Material and methods: We included all primary cutaneous MM operated in the Department of Dermatology of Martin Luther University Halle - Wittenberg between 1980 and 1991 with available histological materials (n=513). Follow-up was performed prospectively. Depth of PTEH was measured in HE-stained slides.
Results: We detected PTEH in 115/513 cases. PTEH was found primarily in thicker MM (75/157, 47.8% in T3/4 MM versus 40/356, 11.2% in T1/2 MM). In T3/4 MM, PTEH ≥ 1.0 mm revealed an independent positive prognostic factor regarding overall survival or recurrence-free survival in multivariate Cox regression analysis (OR=4.4, 95%CI=1.72-11.4, p=0.002 or OR=2.7, 95%CI=1.2-5.8, p=0.015, respectively). PTEH ≥ 1.0 mm proved to be the strongest single prognostic factor in malignant melanoma with tumour thickness > 3.0 mm compared to standard prognostic factors.
Conclusion: PTEH ≥ 1.0 mm is associated with a considerably better prognosis in MM. It is an important and independent prognostic factor of MM with higher tumour thickness (T3/4). Determination of PTEH is easy. The method is convenient for standard histological characterisation of MM.

Keywords:
Malignes Melanom, paratumorale Epidermishyperplasie, Prognosefaktor, Histopathologie

Cutaneous malignant melanoma, paratumoural epidermal hyperplasia, prognostic factors, histopathology

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Inhaltsverzeichnis
Titelblatt, Referat, Inhaltsverzeichnis, Verzeichnis der Abkürzungen
1 Einleitung (1-5)
2 Zielstellung (5)
3 Material und Methode (6-12)
4 Ergebnisse (13-31)
5 Diskussion (32-38)
6 Schlussfolgerungen (39)
7 Zusammenfassung (40-41)
8 Literaturverzeichnis (42-50)
9 Thesen der Arbeit (51-52)
Anlage (53-57)