René Weinandy, Dr. rer. nat.

Sozialverhalten, Reproduktionsbiologie und Wohlergehen der Mongolischen Wüstenrennmaus, Meriones unguiculatus (Milne Edwards 1867)

Habilitationsschrift zur Erlangung des akademischen Grades doctor rerum naturalium habilitatus (Dr. rer. nat. habil.) vorgelegt an der Mathematisch-Naturwissenschaftlich-Technischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Beschlußdatum 27.06.2002

Abstract
Die Mongolische Wüstenrennmaus zeigt ein ausgeprägtes Sozialverhalten und wird in zunehmendem Maße als Versuchstier in tierexperimentellen Laboratorien gehalten. Ziel dieser Habilitation war zum einen die Analyse sozialer Interaktionen sowie der Reproduktionsbiologie dieser in den Steppen und Halbwüsten der Mongolei und Mandschurei beheimateten und in Familien lebenden Nagetiere. Weiterhin wurde ihr Wohlergehen anhand etablierter indikatorischer Parameter und neu entwickelter Verfahren evaluiert und Empfehlungen für eine optimierte Haltung abgeleitet. Durch den Einsatz implantierter Transmitter in Verbindung mit einem telemetrischen Erfassungssystem konnte auf der Basis der Herzschlagfrequenz, der Körpertemperatur und der Aktivität der physiologische Zustand während der Gravidität und der Laktation bei einer Mongolischen Wüstenrennmaus ohne erkennbare Nebeneffekte dokumentiert werden. Während sich die Elterntiere bei der Aufzucht ihrer Jungen zeitlich koordinierten, blieb die Circadianrhythmik durch soziale Stimuli unbeeinflusst. Der für die Männchen-Weibchen Beziehung zentrale weibliche Sexualzyklus konnte anhand ethologischer und vaginalzytologischer Kriterien eindeutig beschrieben sowie der männliche Einfluss auf die Stabilität des Zyklus ermittelt werden. Der nachgewiesene tageszeitliche Effekt auf die Stressreaktion führte zur Empfehlung, tierpflegerische Maßnahmen nach Möglichkeit in der Aktivitätszeit der Tiere durchzuführen. Die Körperzusammensetzung, ein für das Wohlergehen oder für soziobiologische Analysen wichtiger phänotypischer Fitnessparameter, konnte mit der für diese Tierart neu etablierten Methode der Körperleitfähigkeitsmessung (TOBEC) erfolgreich bestimmt werden.

The Mongolian gerbil displays a pronounced social behaviour and is kept increasingly as an experimental animal. The objective of this study was to analyse social interactions and the reproduction of these rodents, which live in families in the steppe and semi-desert regions of Mongolia and Manchuria. Moreover, their welfare was evaluated based on established parameters and newly developed methods and recommendations are given for improved housing conditions. By using implanted transmitters in association with biotelemetry, heart rate, body temperature and activity indicated the physiological state and the ongoing changes during gravidity and lactation in a Mongolian gerbil with no apparent side effects. While parental animals coordinated their care behaviour when rearing the young, the circadian rhythm remained unaffected by social stimuli. The female sexual cycle, which is important for the male-female relationship, could unambiguously be determined via ethological and cytological parameters and the male influence on the stability of the cycle was evaluated. The proven daytime effect on the stress response (stronger response during the rest time) led to the recommendation to perform animal house routines during the activity time of the animals. The analysis of the body composition, an important phenotypic parameter for animal welfare and sociobiological studies, could be successfully carried out by using the newly established method of the total body electrical conductivity (TOBEC).

Keywords:
Mongolische Wüstenrennmaus, implantierte Transmitter, circadiane Aktivitätsrhythmen, Elterliches Pflegeverhalten, Paarungsverhalten, Östruszyklus, Stressreaktion, Körperleitfähigkeitsmessung (TOBEC)

Mongolian gerbil, implanted transmitter, circadian activity rhythms, parental care, mating behaviour, oestrus cycle, stress response, total body electrical conductivity (TOBEC)

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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis (1)
1 Einleitung (2-12)
2 Sozialverhalten und Reproduktionsbiologie (13-66)
3 Wohlergehen (67-124)
4 Diskussion, Schlussfolgerungen und Ausblick (125-138)
5 Literatur (139-149)