Photo WissowasGeorg Wissowa, geboren am 17. Juni 1859 in Neudorf bei Breslau, gestorben am 11. Mai 1931 in Halle, hat klassische Philologie in Breslau studiert und dort mit einer Arbeit De Macrobi Saturnaliorum fontibus promoviert. Nach der Promotion ging Wissowa ein Jahr nach München, habilitierte sich 1882 mit einer sehr wertvollen Arbeit über die römischen Kultbilder der Venus und mit einer Antrittsvorlesung über Gräberschmuck und Totenkult bei den Griechen in Breslau und ging darauf als Stipendiat des archäologischen Institutes nach Italien. - Nach drei arbeits- und erfolgreichen Dozentenjahren wurde er 1886 nach Marburg berufen, wo er 1890 ordentlicher Professor wurde. Zu Ostern 1896 kam er nach Halle als Nachfolger Heinrich Keils, lehrte und arbeitete hier bis zu seinem Tode.

Sein Nachlaß spiegelt seine weitgefächerte Tätigkeit als klassischer Philologe, Religionshistoriker (er war der erste Geschichtsschreiber der römischen Religion) und als Wissenschaftsorganisator (Neubearbeitung der alten Paulyschen Realenzyklopädie, Herausgeber, zusammen mit Carl Robert, des "Hermes") wider.

Nach einem Brief von Otto Kern an Carl Wendel vom 30.7.1931 (= Yi 20 VII 1, Bl.1) gelangte der Nachlaß Wissowas in den 30-er Jahren in die Handschriftensammlung der ULB und erhielt die Signatur Yi 20. Diese weist ihn auch in dem Verzeichnis "Gelehrten- und Schriftstellernachlässe in den Bibliotheken der Deutschen Demokratischen Republik", Teil I, Berlin 1959, auf S. 94, Nr. 685, nach.

Der Nachlaß gliedert sich in zwei Teile:

  1. Den überaus wichtigsten Teil bildet die Korrespondenz. Die Briefe und Karten waren chronologisch geordnet und bilden jetzt ein laufendes Alphabet, das nach Ausmerzung des minder Wichtigen 7259 Nummern umfaßt, die in 17 Kästen untergebracht wurden und im Autographenschrank verwahrt werden.
    Die Korrespondenz umfaßt den Zeitraum von 1890 bis 1925.

  2. Der "kleinere Nachlaß" - 5 Kapsel 4° und 2 Kapseln 2° - ist das geistige Eigentum Wissowas selbst und setzt sich aus folgenden Teilen zusammen:
    Ia. 18 ausgearbeitete Vorträge und Aufsätze, beginnend mit "De Cornelio Labeone commentatiuncula" 1879 bis "Tacitus‘ Germania im Zusammenhang der antiken Ethnographie " 1921.
    II. 25 ausgearbeitete Vorlesungen
    III. Beiträge zu lexikalischen Sammelwerken. Es sind dies Artikel für Rosches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie sowie für die Encyclopaedis of Religion and Ethics und Briefe von dem Hrsg. James Hastings.
    IV. Besprechungen und Gutachten. Besprechungen u.a. von Halliday: Lectures on the History of Roman Religion 1922; Cumont: Mysterien des Mythras, 3. Aufl., 1923; Herbig: Relgion und Kultur der Etrusker 1922; Herbig: Die Geheimsprache der Disciplina Etrusca 1923.
    V. Materialien zur Germania.
    Darunter:
    1. Collation des Leidensis mit der Ausgabe Müllenhoffs (1904);
    2. Auskünfte über Hss von Hülsen, Rachfahl, Wünsch, Milchsack u.a.;
    3. Notizen zur Erklärung von Wissowa;
    4. Michaelis: Collation des Vaticanus 1862 (B) und 1518 (C) mit der Ausgabe Haupts;
    5. Wünsch: Vorlesung über Germania 1906. - Materialien über Hss. - De Taciti Germaniae Codicibus Germanicis 1893, durchschossen und durch Eintragung von Varianten von 16 außerdeutschen Hss. ergänzt.
    VI. Materialien zum Dialogus de oratoribus.
    1. Schoene: Collation der cod. Ottob. 1455, Farnes. IV C 21, Vat. 4498, Vat. 1518 mit der Ausgabe Halms.
    2. Michaelis: Collation des Vat. 1862, Leid. XVIII Periz. C 21 mit der Ausgabe Halms.
    VII. Über die Neubearbeitung von Pauly-Wissowa. Schriftstücke über die Organisation und Besprechung einzelner Bände.
    Ein handgeschriebenes Inhaltsverzeichnis von Carl Wendel ist diesem "kleinen Nachlaß" vorangestellt. Die vorgefundene Reihenfolge wurde beibehalten.

    Die in diesem Teil des Nachlasses enthaltenen Briefe und Karten wurden an vorgefundener Stelle belassen und sind mit der entsprechenden Signatur in die Korrespondenzliste (Yi 20 I) eingearbeitet worden.


Julia Knödler / 07.12.2018