Beate West-Leuer

Interaktive Beratung und Schulentwicklung
Eine Untersuchung zum Ist-Zustand

Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades eines Doctor philosophiae (Dr. phil.) vorgelegt an der Philosophischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
verteidigt am 03.07.2002

Abstract
Das Forschungsinteresse galt der Frage, wie Lehrerinnen und Lehrer ihrem Kernauftrag der Persönlichkeits- und Bildungsentwicklung von Schülerinnen und Schülern zunehmend professionell nachkommen und dabei unbewusste und irrationale Wirkfaktoren integrieren können. Die Forschungsfrage wurde in einer theoretischen Untersuchung, am Einzelfall und in einer konzeptionellen Untersuchung zum Ist-Zustand von "Interaktiver Beratung und Schulentwicklung" exploriert. Übergeordnete Theorien waren die Intersubjektivitätstheorien der Psychoanalyse, die Theorie sozialer Systeme und der symbolischen Interaktionismus. Als Forschungsdesign wurde ein Junktim zwischen "Forschen und Beraten" und als empirische Erhebungsmethode das psychoanalytische Konzept von "Übertragung/Gegenübertragung" gewählt. Zur Aufbereitung und qualitativen Auswertung wurden u. a. das Beratungsverfahren "Kontrollsupervision", die kasuistische Falldarstellung und die Strukturale Analyse Sozialen Verhaltens weiterentwickelt und angewendet. Die Untersuchungen ergaben eine in der Schulkultur verankerte und in wesentlichen Aspekten unbewusste "Beziehungsmatrix", die von den organisatorisch-institutionellen Strukturen geprägt und von den personalen Strukturen inszeniert und verändert wurde. Sie enthielt schulspezifische Abwehr- und Bewältigungsstrategien wie Autoritätskonflikten, informelle Kontrollmechanismen, die Behauptung von Einflusslosigkeit und allmächtige Leitungsimagines. Die Beziehungsmatrix zeigte sich in den Interaktionen der Beraterin und der Lehrenden zwischen autonomiegewährend versus kontrollierend, bzw. freundlich versus feindlich. Auffallend war dabei die Häufigkeit auch entwertender Interaktionen. Für den Kernauftrag der Lehrerinnen und Lehrer ergab sich als Schlussfolgerung für "Interaktive Beratung und Schulentwicklung", eigene und fremde abhängige und aggressive Tendenzen nicht zu tabuisieren, sondern zu integrieren und damit zu entschärfen.

This study attempts to determine how teachers can improve their professional goal of enhancing the educational and personality development of their students by integrating subconscious and irrational aspects of efficacy. A theoretical exploration of this topic is followed by a case study of an actual case and by a conceptual analysis of the current status of "interactive counseling and school development". Leading theories are the psychoanalytic theories of intersubjectivity, the theory of social systems and of symbolic interactions. The study design bases on the conjunction of research and counseling, and as an empirical method for data collection the psychoanalytical concept of transference/countertransference was chosen. For data preparation and qualitative analysis the methods of supervisory counseling, casuist presentation and structural analysis of social behavior are employed and enhanced among others. The results reveal an essentially subconscious matrix of relationships which are intrinsic to the school culture and which are acted out and varied by the persons involved. The spectrum of school-specific defense and coping strategies includes conflict with authority, informal control mechanisms, delusions of powerlessness as well as the presence of omnipotent imagos of authorities. This demonstrates itself in the interactions between counselor and teaching team, which ranged between letting go and close control, and between friendliness and antagonism. Surprising was the frequency of depreciating interactions. It was decluded that if counselors and teachers can integrate their own and others' tendencies to dependency and aggressiveness, instead of treating them as taboo, it will help to defuse these problems and to enhance school development.

Keywords:
Interaktive Beratung, Schulentwicklung, Beziehung, Schulkultur, Übertragung/ Gegenübertragung, unbewusste und irrationale Wirkfaktoren

interactive counseling, school development, relationship, school culture, transference/countertransference, subconscious and irrational aspects of efficacy

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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis (2-15)
Einleitung (16-25)
Teil I: Theoretische Untersuchung
1. Literaturanalyse: Zum Stellenwert psychodynamischer Schulentwicklung und Schulberatung (26-35)
2. Feldanalyse: Organisatorisch - institutionelle und personale Strukturen im Schulsystem (36-87)
3. Beziehungsanalyse: Zur Psychodynamik in sozialen Organisationen (88-173)
Teil II: Die Einzelfallstudie
4. Einführung in die Forschungsmethoden der Einzelfallstudie (174-205)
5. Prozessanalyse: Rekonstruktion einer Einzelschulberatung an der berufsbildenden Schule "Ana - F." (206-266)
6. Gegenübertragungsanalyse I: Soziales Erleben als Inszenierung unbewusster Beziehungsmuster (267-379)
7. Gegenübertragungsanalyse II: Soziales Verhalten als Inszenierung unbewusster Strukturen (380-425)
Teil III: Konzeption
8. Darstellung und Diskussion der Ergebnisse: Der Beitrag "Interaktiver Beratung" zur professionellen Schulentwicklung (426-466)
Literaturverzeichnis (467-488)
Nachwort, Veröffentlichungen
Anlagen (232 Seiten)